Ein Leserbrief an die Rheinische Post

Die Aufmachung der „Rheinischen Post" vom 09. Juni 2010 zu den Spar-Eckpunkten der Bundesregierung und die zugehörige Berichterstattung ist ungewöhnlich für eine Zeitung für Politik und Christliche Kultur.

Kultur in diesem Fall auch verstanden als Art und Weise der Aufmachung. Frau Käsmann als Rächer der Enterbten, die selbstverständlich mit der größten Keule zuschlägt: dem Verstoß gegen die Würde des Menschen. Mein Eindruck ist, dass die „Rheinische Post" aus Sorge, einen möglichen Trend in der Berichterstattung zu verschlafen, das Kind mit dem Bade ausgeschüttet hat. Dieser Trend besteht in der Substanz aus nichts anderem, als dem Zurückschrecken, das jedes denkbare Sparprogramm auslösen würde. Leider nähern wir uns dadurch einem Konformismus der Medien in der Aufmachung das aus jedem Thema ein Hype erzeugt wird.

Den schwerwiegenden Problemen, denen wir uns derzeit gegenübersehen, ist das in keiner Weise angemessen und ein Beitrag zur „Christlichen Kultur" ist es schon gar nicht. Dabei hätte es durchaus die Möglichkeit zu einer differenzierten Betrachtung der Eckwerte gegeben. Ich möchte hier bewusst nicht die Stellungnahme von Herrn Prof. Dr. Sinn zu den Eckwerten zitieren. Zitieren möchte ich Herrn Prof. Dr. Bofinger, der immerhin konstatiert hat, dass das Sparpaket einen Versuch darstellt, Lasten auf unterschiedliche Schultern zu verteilen. „Man bezieht dabei auch starke Schultern, wie die Energiewirtschaft und Banken, mit ein. Da ist sicher eine gewisse Balance da. Problematisch ist aber, dass die sozial Schwächsten belastet werden." Das ist immerhin eine Stellungnahme, über die man vernünftig diskutieren kann.

Apropos Menschenwürde: Joachim Gauck hat vor rund einem Jahr in seiner „Berliner Rede zur Freiheit" folgendes gesagt: „Seit langem herrscht eine Stimmung im Land, als hätten wir einen virtuellen Artikel 1 in unserer grundgesetzlichen Charta: Die Besitzstandswahrung ist unantastbar. Der echte Artikel 1 aber lautet: Die Würde des Menschen ist unantastbar." Wenn wir alle diesen Unterschied zwischen Besitzstandswahrung und Menschenwürde im Auge behalten würden, wäre es möglich, sich auch vernünftig und angemessen über Gerechtigkeit auseinander zu setzen.

Norbert Hüsson

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